Unsichtbare Grenzen für Flüchtlinge – Residenzpflicht-Ausstellung nach Neonazi-Brandanschlag wiederaufgebaut

Am 21. Juni wird die Wanderausstellung Residenzpflicht – Invisible Borders in Berlin wiedereröffnet. Sie war bei einem von Neonazis verübten Brandanschlag auf das „Haus der Demokratie“ in Zossen zerstört worden.
Die Ausstellung widmet sich auf anschauliche Weise der restriktiven deutschen Asylpolitik. Vor allem die Auswirkungen der im Hinblick auf Bewegungsfreiheit und Menschenwürde höchst fragwürdigen Residenzpflicht werden hier erfahrbar.

In einer begehbaren Installation aus Infowänden, Architekturmodellen, Audio- und Videofeatures vermittelt die Ausstellung einen Eindruck vom beklemmenden Alltag von Flüchtlingen in Deutschland.
Sie beschreibt die abstrakten Techniken zur Überwachung von Raum und Bewegung, wie etwa der Beschränkung des Aufenthalts für Flüchtlinge im Asylverfahren oder mit Duldung auf den jeweiligen Landkreis oder das Bundesland – die so genannte Residenzpflicht. Ausführlich kommen auch die Betroffenen selbst zu Wort. Sie berichten, was es bedeutet, der deutschen
Ausländerpolitik ausgesetzt zu sein, aber auch wo im Alltag Widerstand geleistet werden kann und muss. Dieser doppelte Zugang ermöglicht es auch Menschen, die nicht selbst von der Residenzpflicht betroffen sind, deren Auswirkungen nachzuvollziehen und das Ausmaß der Ausgrenzung zu begreifen.

Mit „Residenzpflicht – Invisible Borders“, ursprünglich im Rahmen seiner Architektur-Diplomarbeit entstanden, konzipierte Philipp Kuebart eine Wanderausstellung, die bereits deutschlandweit für Aufmerksamkeit sorgte. Nach ihrer Zerstörung im Januar dieses Jahres fand sich schnell eine Gruppe engagierter Menschen für die Neukonzeption und den Wiederaufbau der Ausstellung zusammen. Inhaltlich erweitert und unter Einbeziehung weiterer Arbeiten präsentiert sie sich auch dank der Zusammenarbeit mit der Projektwerkstatt Teltow-Fläming in neuer Form.

Begleitend zur Ausstellung wird es an den Ausstellungsorten jeweils ein Veranstaltungsprogramm geben. Die Veranstaltungen beleuchten die politischen Implikationen der Residenzpflicht und zeigen Widerstandsmöglichkeiten auf. Sie stellen einen lokalen Bezug zur Thematik her und schaffen am jeweiligen Ausstellungsort eine Möglichkeit für Betroffene, sich und ihrer Situation Gehör zu verschaffen und mit interessierten Besucher_innen ins Gespräch zu kommen.

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