23.03.2011
KUNDGEBUNG: „Wir wollen wie Menschen behandelt werden“
HENNIGSDORF – Eine junge Frau mit schwarzen Haaren hält ein Pappschild hoch. Darauf sind die verhassten Lebensmittelgutscheine mit roter Farbe durchgestrichen. Sie ist vor fünf Monaten aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Weil die Informatikstudentin dort gegen die Mullah-Diktatur auf die Straße gegangen war, musste sie flüchten. Ihre Familie blieb zurück. „Ich fühle mich alleine, ich würde gerne deutsch lernen und eine Wohnung haben.“

Weil es vielen Asylbewerbern so geht, haben sich gestern in Hennigsdorf etwa 100 Menschen versammelt, um gegen die Asylpolitik von Bund, Land und Kreis zu protestieren. Aufgerufen hatte die Initiative „United against Racism and Isolation“ (Uri). Besonders das in Oberhavel praktizierte Gutscheinsystem, das den Flüchtlingen fast kein Bargeld zugesteht, ist ihnen ein Dorn im Auge.

„Wir wollen wie Menschen und nicht wie Gefangene behandelt werden“, tönte es aus dem Lautsprecherwagen. Vom Flüchtlingsheim zog die Demonstration bis zum Havelplatz. Vor dem Nazi-Laden „On the Streets“ und auf dem Postplatz fanden kurze Kundgebungen statt.

Wera Quoß vom Hennigsdorfer Ratschlag ärgert sich schon lange über die Asylpraxis in Oberhavel: „Unser Kampf dauert schon viel zu lange. Es wird Zeit, dass der Kreistag Druck macht. Der Landrat darf sich nicht hinter den Gesetzen verstecken“

Der Kreissprecher der Grünen, Thomas von Gizycki, kündigte gestern an, dass er im Kreistag einen Vorstoß zur Abschaffung der Wertgutscheine plane. Man sei in Gesprächen mit der SPD. Dort gibt es unterschiedliche Standpunkte zum Thema. Während SPD-Fraktionschef Andreas Noack sagt, „das Gutscheinsystem ist praktikabel“, äußert der Kreistagsabgeordnete Steffen Barthels Kritik. „Ich möchte auf die Gutscheine verzichten“, sagte er der MAZ. Am gestrigen Protest habe er sich aber nicht beteiligen wollen, weil Uri dem Landkreis indirekt Rassismus vorgeworfen habe. Das sehe er anders – fügte aber hinzu, dass das – vom Landkreis restriktiv ausgelegte – Asylbewerberleistungsgesetz natürlich eine „Gängelung“ und „Schikane“ der Betroffenen sei. (Von Christian Zielke und Sebastian Meyer)


Quelle: maerkischeallgemeine.de

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