07.06.2011
ASYL: Sozialdezernent bietet Gespräch an
Proteste gegen Gutscheine gehen weiter

ORANIENBURG – Oberhaveler Asylbewerber haben gestern vor dem Oranienburger Landratsamt erneut gegen die Ausgabe von Gutscheinen an Flüchtlinge protestiert. Nachdem die Asylbewerber in der vergangenen Woche bereits die Annahme der Juni-Gutscheine verweigert hatten, bot Sozialdezernent Michael Garske für den kommenden Donnerstag ein Gespräch im Landratsamt an. Morgen wollen Verwaltungsmitarbeiter im Hennigsdorfer Asylbewerberheim einen erneuten Versuch unternehmen, die Gutscheine auszugeben. Die Flüchtlinge kündigten an, auch diese Ausgabe zu boykottieren.

Zwei Heimbewohnerinnen, eine Anwältin und ein Vertreter von United against Racism and Isolation Hennigsdorf (Uri) wollen am Donnerstag mit Garske sprechen. Neben formalrechtlichen Aspekten sollen vor allem die Nöte der Flüchtlinge zur Sprache kommen, sagte Jan Fließbach von Uri. „Wir hoffen, dass diese menschliche Komponente einen Umschlag bringen könnte.“

Fachbereichsleiter Detlef Kullmann vermied gestern im Gespräch mit den Asylbewerbern eine konkrete Aussage zu den Gutscheinen. Der Landkreis hatte sein Festhalten an den Scheinen bislang mit dem „geltenden Bundesrecht“ verteidigt. Sollte das Sozialministerium einen Wechsel zu Bargeld anweisen, „würde der Landkreis dieser Anweisung unmittelbar nachkommen“, hieß es gestern schlicht.

Die Asylbewerber demonstrieren seit der vergangenen Woche gegen die Gutscheine. Ein solches System verhindere Integration, kritisieren sie. Schließlich können Fahrkarten, Vereinsmitgliedschaften, Eintritts- oder Telefonkarten nicht mit Gutscheinen bezahlt werden.

Die Oberhaveler Grünen wollen beim nächsten Kreistag einen Antrag einbringen, der den Wechsel zu Bargeld lediglich empfiehlt. Die Kreistagsmitglieder könnten die Verwaltung nach dem jetzigen Kenntnisstand nicht zu einem Wechsel auffordern, sagte Grünen-Sprecher Thomas von Gizycki. Das überschreite die Aufgaben des Kreistags. (Von Frauke Herweg)


Quelle: maerkischeallgemeine.de

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