23.03.2011
Asylbewerber demonstrierten –
Von Mathias Puddig

HENNIGSDORF: Der Landkreis Oberhavel steht schon seit Längerem wegen seiner restriktiven Asylpolitik in der Kritik. Gestern kamen anlässlich eines bundesweiten Aktionstages etwa 80 Asylbewerber und Unterstützer zusammen, um für mehr Menschenwürde zu demonstrieren.

Veranstaltet wurde die Demonstration vom Zusammenschluss „United against racism and isolation“ (deutsch etwa „Vereint gegen Rassismus und Isolation“, kurz: U.R.I.). U.R.I.-Mitglied Denise Tscharntke, die die Demo auch bei der Polizei angemeldet hatte, zeigte sich gestern freudig überrascht über die große Beteiligung. Sie hatte mit 50 Teilnehmern gerechnet. Schließlich habe das Bündnis in Berlin, wo es ebenfalls Veranstaltungen anlässlich des bundesweiten Protesttags gab, keine Demonstranten mobilisiert.

Unter den Demonstranten in Hennigsdorf fanden sich gestern zahlreiche Vertreter lokaler Einrichtungen und Parteien. Gewerkschaften waren ebenso dabei wie Vertreter politischer Parteien. Uwe Mirau, Direktor desPuschkin-Gymnasiums, hatte gleich noch einige seiner Schüler mitgebracht, die sich zuvor über Facebook organisiert hatten. Auch Simone Tetzlaff von der Hennigsdorfer Asylberatung kam vorbei. Sie erklärte, dass im Hennigsdorfer Asylbewerberheim derzeit etwa 140 Flüchtlinge leben. Deren Zahl sei in jüngster Zeit wieder angestiegen, und sie rechnet damit, dass sich dieser Trend fortsetzt. Noch könne der Landkreis die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Quadratmeter für jeden bereitstellen. Ob dies dauerhaft möglich ist, sei fraglich. Und dies sei nur eine der Härten, mit denen die Asylbewerber zurechtkommen müssen, meinte Tetzlaff mit Blick auf das Gutscheinsystem, dessen Abschaffung gestern ebenfalls lautstark gefordert wurde.

Natürlich hatte die Demo auch das Ziel, die Hennigsdorfer für die Probleme der Asylbewerber zu sensibilisieren. Dass dies wirklich gelingt, bezweifelte Christa Schneider, Co-Initiatorin der Veltener Mixed-Pickels-Woche. Sie gab sich resigniert darüber, wie leicht es vielen fällt, das Problem auszublenden. Und dabei ginge es doch um ihre Nachbarn!


Quelle: Hennigsdorfer Generalanzeiger vom 23.04.2011

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